Sympathie schlägt Können

Wenn es darum geht, wen wir in Teams mögen, wer uns Projekte empfiehlt oder wen wir als Mentor wählen, gilt oft eine überraschende Faustregel: Sympathie gewinnt über Kompetenz.

Zwar glauben viele Führungskräfte, dass Fachwissen das Wichtigste ist, doch in der Praxis beeinflussen persönliche Gefühle den Zugang zu informellen Netzwerken. Wer beliebt und sympathisch ist, wird bevorzugt, selbst wenn sein Fachwissen begrenzt ist. Wer hingegen arrogant wirkt, wird gemieden, völlig unabhängig davon, ob er ein Genie ist.

Die vier Mitarbeiter:innentypen

Die Forschung unterscheidet anhand von Kompetenz und Sympathie vier Archetypen:

Häufig gewählt:

• Der „liebenswerte Star“: Hochkompetent und sehr sympathisch. Wird von Kolleg:innen überall gesucht, weil er sowohl Fachwissen als auch gute Zusammenarbeit bietet.

• Der „liebenswerte Dussel“ bzw. der „Lovable Fool“: Bringt wenig Fachwissen mit, ist aber sehr beliebt, da er zwischenmenschlich überzeugt und die Stimmung im Team hebt.

Häufig gemieden:

• Der „inkompetente Ekel“ – Wenig Fachwissen und unangenehmes Verhalten. Wird gemieden, weil er weder fachlich noch sozial unterstützt.

• Der „kompetente Ekel“ bzw. der „Competent Jerk“ – Sehr kompetent, aber unfreundlich oder arrogant. Wird ebenfalls oft gemieden, da die Zusammenarbeit schwierig ist.

Was uns das sagt: Sympathie entscheidet, wer ins Team integriert wird. Fachwissen allein reicht nicht, um informelle Netzwerke zu nutzen oder gemeinsam erfolgreich zu arbeiten.

Warum man „Competent Jerks“ meidet

Auch wenn sie wertvolles Wissen haben, meiden Mitarbeiter:innen und Teams diese „Jerk“-Typen aus mehreren Gründen:

Schwieriger Wissenstransfer: Informationen müssen mühsam abgefragt werden, da diese Person nicht kooperativ ist.

Angst vor Bloßstellung: Um von ihm zu lernen, müssen Kolleg:innen ihre eigenen Wissenslücken offenbaren. Das fühlt sich riskant an.

Geringes Brainstorming: Kreative Ideen entstehen nur in einer offenen, freundlichen Atmosphäre , die ein „Ekel“ blockiert.

Was Unternehmen tun können

1. Sympathie fördern: Zum Beispiel durch gemischte Teams oder gemeinsame Projekte, um Vertrauen aufzubauen. So fließt Wissen leichter und die Zusammenarbeit funktioniert besser.

2. Die „Lovable Fools“ nutzen: Beliebte Mitarbeiter:innen können als „Brückenbauer“ zwischen Teams fungieren oder Veränderungen unterstützen.

3. Die „Competent Jerks“ steuern: Fehlverhalten sofort ansprechen, soziale Fähigkeiten fördern oder Rollen so gestalten, dass der negative Einfluss minimiert wird.

Fazit:

Sympathie hält Teams zusammen, und oft mehr als reines Fachwissen. Die „Lovable Fools“ sorgen für gute Stimmung, verbinden Kolleg:innen und erleichtern die Zusammenarbeit. Wer auf Freundlichkeit und Teamgeist achtet, bekommt motivierte Teams und erfolgreichere Projekte. Fachwissen ist wichtig, aber ohne Sympathie bleibt es oft ungenutzt.